Nach den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran stieg der Ölpreis sprunghaft an. Was die Energiepreise angeht, wird laut Goldman Sachs Research viel vom Ausmaß und der Dauer der Transitstörungen in der Straße von Hormus abhängen, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasversorgung (LNG) fließt.

Die Strategen von Goldman Sachs schätzen, dass Händler für ein Barrel Öl etwa 14 US-Dollar mehr verlangen als vor dem Konflikt, um die gestiegenen Risiken auszugleichen (Stand: 3. März 2026). Diese Risikoprämie entspricht in etwa der Schätzung von Goldman Sachs Research hinsichtlich der Auswirkungen einer vollständigen vierwöchigen Unterbrechung der Lieferungen durch die Straße von Hormus (wobei freie Pipelinekapazitäten als teilweiser Ausgleich genutzt werden), schreibt Daan Struyven, Co-Leiter von Global Commodities Research und Leiter von Oil Research, in einem Bericht. Die Auswirkungen werden auf einen Anstieg von 4 US-Dollar pro Barrel geschätzt, wenn lediglich die Hälfte der Lieferungen für einen Monat unterbrochen wird.
„Die Ölpreise können jedoch deutlich stärker steigen, wenn der Markt eine Prämie für das Risiko länger anhaltender Versorgungsunterbrechungen verlangt“, schreibt Struyven. Brent-Öl, die internationale Referenzgröße neben WTI-Öl, schloss am Montag (2. März 2026) bei 77 Dollar, nach 72 Dollar am Freitag (27. Februar) und 61 Dollar zum Ende des letzten Jahres.
Um wie viel werden die Ölpreise steigen, wenn die Straße von Hormus geschlossen wird?
Je nach Ausmaß und Dauer der Beschränkungen für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus schätzt Goldman Sachs Research den Anstieg der Ölpreise auf 1 bis 15 Dollar pro Barrel:
• 15 Dollar für eine vollständige einmonatige Schließung, wenn keine Ausgleichsmaßnahmen (z.B. Nutzung von freien Pipelinekapazitäten, Freigabe strategischer Erdölreserven) erfolgen
• 12 Dollar im Falle einer vollständigen einmonatigen Schließung, wenn die gesamte geschätzte freie Pipelinekapazität von 4 Millionen Barrel pro Tag genutzt wird
• 10 Dollar für eine vollständige einmonatige Schließung, wenn die gesamte geschätzte freie Pipelinekapazität genutzt wird und die globalen strategischen Erdölreserven einen Monat lang in Schritten von 2 Millionen Barrel pro Tag freigegeben werden
• 4 Dollar bei einer teilweisen einmonatigen Schließung von 50 Prozent, wenn die gesamte geschätzte freie Pipelinekapazität genutzt wird
• 1 Dollar bei einer teilweisen einmonatigen Schließung von 25 Prozent, wenn die gesamte geschätzte freie Pipelinekapazität genutzt wird
Abb. 1: Ölpreisanstieg durch Iran-Konflikt

Quelle: Bloomberg, Stand 10. März 2026. Bitte beachten Sie, dass frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung sind.
Wie hoch sind die geschätzten kurz- bis mittelfristigen Auswirkungen auf die Ölpreise?
Die Geschichte zeigt, dass Ölpreisspitzen aufgrund geopolitischer Schocks und vorübergehender Versorgungsunterbrechungen unter Umständen nur von kurzer Dauer sein können.
Die Beobachtungen von Goldman Sachs Research zeigen aber auch, dass die Ölpreise deutlich und weit über die Schätzungen des fairen Wertes hinaus steigen können, wenn die geopolitische Unsicherheit hoch ist und die Marktteilnehmer befürchten, dass die Versorgungsunterbrechungen anhalten könnten. Mitte 2022 lagen die Ölpreise um fast 20 Dollar über dem von Goldman Sachs Research geschätzten, aus den Aktienkursen abgeleiteten fairen Wert.
Anfang Juni 2025 stieg der Brent-Preis von rund 65 US-Dollar auf über 80 US-Dollar, als Israel und die USA iranische Nuklearanlagen angriffen. Die Preise fielen schnell wieder, als der Markt an Vertrauen gewann, dass die tatsächliche Ölversorgung wahrscheinlich nicht unterbrochen werden würde.
Wie viel Öl und Gas produziert der Iran?
Der Iran produzierte im Jahr 2025 rund 3,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und etwa 0,8 Millionen Barrel Kondensat (ein zusammen mit Gas produziertes Kohlenwasserstoffgemisch) pro Tag, was zusammen etwa 4 Prozent der weltweiten Ölversorgung entspricht. Die Exporte des Iran beliefen sich 2025 durchschnittlich auf 1,7 Millionen Barrel pro Tag für Rohöl und Kondensate, 0,6 Millionen Barrel pro Tag für raffinierte Produkte und 0,4 Millionen Barrel pro Tag für Erdgasflüssigkeiten (Natural Gas Liquids, NGL).
Die Straße von Hormus ist für fast 20 Millionen Barrel pro Tag der weltweiten Ölproduktion von entscheidender Bedeutung. Saudi-Arabien, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate exportierten im vergangenen Jahr zusammen 13,1 Millionen Barrel pro Tag über die Straße von Hormus, wobei China das Hauptziel war. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass 4,2 Millionen Barrel der Ölströme pro Tag durch die Straße von Hormus mit Hilfe bestehender freier Pipelinekapazitäten umgeleitet werden können, was bedeutet, dass etwa 16 Millionen Barrel pro Tag durch eine vollständige Sperrung gefährdet sind.
Was bedeutet der Konflikt im Iran für die Erdgaspreise?
Laut Goldman Sachs Research besteht ein erhebliches Risiko, dass die europäischen Gas- und globalen LNG-Preise (Liquefied Natural Gas) weiter steigen könnten. Die kritischsten Auswirkungen auf die globalen Gasmärkte würden sich aus einer Unterbrechung der Lieferungen von etwa 80 Millionen Tonnen LNG pro Jahr (19 Prozent der globalen LNG-Versorgung) ergeben, die normalerweise durch die Straße von Hormus fließen.
In einem Szenario, in dem der LNG-Transport durch die Straße von Hormus für einen Monat vollständig unterbrochen ist, könnte der Preis für niederländisches Erdgas (TTF) laut Schätzungen von Goldman Sachs Research auf 74 Euro pro Megawattstunde (Euro/MWh) steigen. Eine hypothetische längere Unterbrechung der Erdgaslieferungen durch die Straße von Hormus, die länger als zwei Monate andauert, würde die europäischen Erdgaspreise wahrscheinlich auf über 100 Euro/MWh steigen lassen. TTF-Erdgas wurde am Freitag (27. Februar 2026) zu etwa 31,6 Euro/MWh gehandelt.
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Quelle: Der Beitrag wurde am 3. März 2026 unter dem Titel „How Will the Iran Conflict Impact Oil Prices?“ auf www.goldmansachs.com im Bereich Insights/Articles veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass die darin getroffenen Aussagen keine Anlageempfehlungen darstellen.
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