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MÄRKTEMehr Elektrifizierung in Europa durch Energiekrise?

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 könnte eine zweite Energiekrise innerhalb von fünf Jahren, ausgelöst durch den Krieg mit Iran, laut Goldman Sachs Research den Wandel Europas hin zur Elektrifizierung und die Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunigen.

Die zunehmende Elektrifizierung sowie der steigende Energiebedarf im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) werden den Strombedarf in den Jahren 2026 und 2027 voraussichtlich um 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr ansteigen lassen, bevor sich das Wachstum bis zum Ende des Jahrzehnts auf 2 bis 4 Prozent pro Jahr beschleunigt, schreibt Alberto Gandolfi, Leiter des European Utilities Research Teams, in einem Bericht. In einem möglichen „Hyperelektrifizierungsszenario“ könnte ab 2030 das Wachstum des Strombedarfs 5 Prozent pro Jahr erreichen. Es wird erwartet, dass die Versorgungsunternehmen im Mittelpunkt dieses Wandels stehen werden.

Strom (aus erneuerbaren Energien sowie Kernkraft) macht etwa 20 Prozent des europäischen Energieverbrauchs aus, während fossile Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) die restlichen 80 Prozent liefern. Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge könnte sich der Anteil von Strom am Energiemix bis 2050 mehr als verdoppeln. „Die Notwendigkeit, die Energiesicherheit zu stärken, könnte die Elektrifizierungsziele beschleunigen und dem Stromverbrauch zusätzlichen Rückenwind verleihen“, schreibt Gandolfi.

Wie verändert Europa seine Strominfrastruktur?

Höhere Investitionen in Stromerzeugungskapazitäten und in die Elektrifizierungsinfrastruktur würden laut Schätzungen von Goldman Sachs Research die Energiesicherheit des Kontinents stärken und dazu beitragen, die Strompreise in Schach zu halten. Sie würden sich zukünftig zudem in einem stärkeren organischen Gewinnwachstum für Versorgungsunternehmen niederschlagen.


Abb. 1: Prognoseszenarien für den Strombedarf in der EU

Der Chart zeigt das Wachstum des europäischen Strombedarfs in drei potenziellen Szenarien. Einem Basisszenario sind ein Wachstumsszenario mit fortgeschrittener agentischer KI und ein „Hyperelektrifizierungsszenario“ gegenübergestellt. Der Anstieg des Strombedarfs ist in allen drei Varianten erheblich.

Quelle: Goldman Sachs Research, Stand: 5. Mai 2026


„Ein starker Strombedarf und steigende Investitionen in die Elektrifizierung dürften einen Gewinn-Superzyklus für Energieversorger begünstigen“, schreibt Gandolfi.

Wie wirkt sich der Krieg im Iran auf die Energiepreise in Europa aus?

Die Art der Versorgungsunterbrechung, die vom Nahen Osten ausgeht, unterscheidet sich von der, mit der Europa zu Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 konfrontiert war. Vor diesem Konflikt deckte Russland 35 bis 40 Prozent des europäischen Erdgasbedarfs. Dieser Anteil sank 2023 auf nur noch 10 Prozent, was zu einem deutlichen Anstieg der Preise für Flüssigerdgas (LNG) in der Region führte. „Was die Gaspreise angeht, war dies eine besonders schwere Krise für Europa“, schreibt Gandolfi.

„Obwohl die aktuelle Energiekrise globaler Natur ist, scheint Europa in Bezug auf Gas weniger betroffen zu sein“, fügt er hinzu. Nur etwa 12 Prozent des europäischen Gasverbrauchs im Jahr 2024 stammten aus Qatar und wurden über die Straße von Hormus transportiert, verglichen mit 17 Prozent weltweit. Bei Öl ist die Energiekrise jedoch viel ausgeprägter. Das vom Krieg betroffene Gebiet liefert etwa 30 Prozent der täglichen weltweiten Ölversorgung.

Diese jüngste Krise könnte Europa dazu veranlassen, seine Energiepolitik zunehmend auf Elektrifizierung auszurichten. Die Europäische Kommission veröffentlichte Ende April eine Mitteilung, die die Abhängigkeit des Kontinents von Importen fossiler Brennstoffe unterstreicht. Die Krise sei eine „deutliche Mahnung, die Elektrifizierung, den Ausbau sauberer Energie aus heimischer Produktion und die Energiewende zu beschleunigen“, heißt es in der Mitteilung.

Das „Hyperelektrifizierungsszenario“ der Analysten von Goldman Sachs geht davon aus, dass Europa die meisten seiner bestehenden Ziele für 2030, die in den aktuellen nationalen Energie- und Klimaplänen dargelegt sind, erreicht. Es sieht jedoch im Vergleich zum Basisszenario eine schnellere Verbreitung von KI-Agenten vor (siehe dazu den Artikel „KI im Jahr 2026: Von persönlichen Agenten, Mega-Allianzen und der Gigawatt-Obergrenze“ auf gs.de).

Um einen solchen Verbrauchsanstieg zu bewältigen, müssten die Energieversorger stärker in die Strominfrastruktur investieren und den Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten beschleunigen. In diesem Szenario schätzt Goldman Sachs Research, dass die Investitionen in die Stromerzeugung in den kommenden zehn Jahren 2 Billionen Euro (2,3 Billionen US-Dollar) erreichen würden – etwa das Dreifache der Ausgaben der letzten zehn Jahre. Rechnet man die Ausgaben für die Modernisierung der Stromnetze hinzu, würden sich die Gesamtinvestitionen in die Elektrifizierung in diesem Zeitraum auf rund 3,5 Billionen Euro belaufen.

Wie kann Europa die Strompreise senken?

Die Erfahrungen der EU-Mitgliedstaaten, die bei der Abkehr von der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen eine Vorreiterrolle gespielt haben, lassen laut Gandolfi darauf hoffen, dass die Strompreise auch bei steigender Nachfrage unter Kontrolle gehalten werden können.

In Ländern, in denen Gaskraftwerke die meiste Zeit über die Strompreise bestimmen – wie Italien, Deutschland und Großbritannien –, sind die Terminpreise für Strom seit Beginn des Nahostkonflikts drastisch gestiegen. Im Gegensatz dazu konnten Länder, die einen größeren Teil ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Energien und Kernkraft decken – wie Spanien, Frankreich und die nordischen Länder –, ihre Strompreise weitgehend unverändert halten.

„Dies war zwar bereits vor der Energiekrise offensichtlich, doch die aktuelle Krise verschärft die regionalen Unterschiede bei den Strompreisen in ganz Europa“, schreibt Gandolfi.


Abb. 2: Stärkste Strompreissteigerungen im Vereinigten Königreich, Italien und Deutschland

In den europäischen Ländern, deren Strompreise vor allem von Gaskraftwerken bestimmt werden – wie Italien, Deutschland und Großbritannien –, sind die Terminpreise für Strom seit Beginn des Nahostkonflikts drastisch gestiegen. Hingegen konnten Länder, die einen größeren Teil ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Energien und Kernkraft decken – wie Spanien, Frankreich und die nordischen Länder –, ihre Strompreise weitgehend unverändert halten.

Quelle: Bloomberg, Stand: 5. Mai 2026. Strompreis im Vereinigten Königreich umgerechnet in Euro zu einem Wechselkurs von 1,15 EUR/GBP.


Welche Unternehmen dürften von der Elektrifizierung in Europa profitieren?

Goldman Sachs Research geht davon aus, dass sich Chancen für Unternehmen bieten, die stark im Stromerzeugungsgeschäft engagiert sind und über eine solide Bilanz verfügen, um den Ausbau ihres Kraftwerkparks zu finanzieren. Erneuerbare Energien werden in dieser Hinsicht weiterhin eine herausragende Rolle spielen, da sie geringere Stromgestehungskosten (Levelized Cost of Energy, LCOE) und eine schnellere Markteinführung aufweisen, wodurch sie auf den steigenden Strombedarf aufgrund von Elektrifizierung und KI reagieren können.

Während der Ausstieg aus der Kohle in Europa vorübergehend gestoppt werden könnte, um den Anstieg des Strombedarfs zu decken, könnte die Kernenergie wieder in den europäischen Strommix als strategische Säule aufgenommen werden, so die Analysten. Der Anteil der Kernenergie an der europäischen Stromerzeugung ist von etwa einem Drittel Ende der 1990er Jahre auf etwa 15 Prozent gesunken, und die meisten bestehenden Kernkraftwerke nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Darüber hinaus befinden sich derzeit in Europa nur etwa 4 Gigawatt an neuer Kernkraftkapazität im Bau, wobei es sich um Projekte im Vereinigten Königreich und in der Slowakei handelt.

Die Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass proprietäre Technologien wie kleine modulare Reaktoren (SMR) angesichts ihrer schnellen Markteinführung, ihrer Flexibilität und des einfachen Brennelementewechsels eine Rolle in der europäischen Energiezukunft spielen könnten. Zwar haben SMR noch keinen nennenswerten Einsatz in großem Maßstab gefunden, doch könnte eine schnellere Einführung dazu führen, dass die SMR-Kapazität in Europa bis 2040 auf 10 Gigawatt anwächst.


Dieser Artikel wird ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stellen keine Empfehlung einer Goldman Sachs-Einheit für den Empfänger dar, und Goldman Sachs erteilt weder durch diesen Artikel noch für den Empfänger eine Finanz-, Wirtschafts-, Rechts-, Anlage-, Buchhaltungs- oder Steuerberatung. Weder Goldman Sachs noch eines seiner verbundenen Unternehmen gibt eine ausdrückliche oder stillschweigende Zusicherung oder Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der in diesem Artikel enthaltenen Aussagen oder Informationen, und jegliche Haftung (einschließlich in Bezug auf direkte, indirekte oder Folgeschäden) wird ausdrücklich abgelehnt.


Quelle: Der Beitrag wurde am 5. Mai 2026 unter dem Titel „The Energy Crunch Could Accelerate Europe’s Shift to Electrification“ auf www.goldmansachs.com im Bereich Insights/Articles veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass die darin getroffenen Aussagen keine Anlageempfehlungen darstellen.


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