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MÄRKTEDie Geopolitik des Wassers

Wasser ist für jeden Lebensbereich unverzichtbar. Dennoch fließen die Wasserströme oftmals nicht dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden. Obwohl Wasser 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt, sind lediglich 3 Prozent der weltweiten Wasservorräte Süßwasser.(1) Der Zugang zu diesen ungleich verteilten Ressourcen ist nicht selten stark umkämpft. Gleichzeitig leiden die Infrastrukturen und Technologien, die für die Wasserverfügbarkeit ausschlaggebend sind, unter chronischer Unterfinanzierung – eine Entwicklung, die die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage stetig vergrößert.

Um die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, SDG 6: Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) im Rahmen der UN-Wasserdekade 2018 bis 2028 zu beschleunigen, veranstalteten die Vereinten Nationen im Jahr 2023 die erste Weltwasserkonferenz seit einem halben Jahrhundert. Die nächste Konferenz der UN zu dieser Thematik wird im Dezember 2026 in Abu Dhabi stattfinden.

Die Nachfrage nach Wasser steigt, während das Gesamtangebot wachsenden Beschränkungen unterliegt. Trotz erzielter Fortschritte haben weltweit immer noch 2,1 Milliarden Menschen(2) keinen Zugang zu sicherem, sauberem Trinkwasser. Zudem nimmt der Wasserstress – ein regional variierendes Maß für das Verhältnis zwischen Nachfrage und nachhaltig verfügbaren Ressourcen – weiter zu. Zugleich ist die Wasserinfrastruktur zunehmend geopolitischen Risiken ausgesetzt, wie sich zuletzt an den Angriffen auf Entsalzungsanlagen im Nahen Osten zeigte. Infolgedessen wird Wasser nicht mehr bloß als entwicklungspolitisches Thema betrachtet, sondern gewinnt zunehmend an Bedeutung als zentrale strategische Herausforderung für Unternehmen, Regierungen und die Gesellschaft.

Denn Wasser ist die lebenswichtigste Ressource der Welt und zugleich eine der am schlechtesten verwalteten. Durch ein Zusammenspiel öffentlicher und privater Finanzierer werden Modelle erprobt, die Investitionen in großem Stil ermöglichen sollen. Marktbasierte Ansätze beginnen, den Preis für Wasser effektiver abzubilden; es fließen vermehrt Kapitalmittel in die Infrastruktur, und neue Technologien ziehen in wachsendem Maße breit basierte Investitionen an. Diese Entwicklungen verlaufen zwar noch ungleichmäßig, weisen jedoch den Weg hin zu einem investitionsfreundlicheren und widerstandsfähigeren Wassersystem – einem System, das das Fundament für eine nachhaltigere Zukunft legen kann.

Die Ökonomie des Wassers: Steigende Nachfrage trifft auf einen Markt unter Druck

Megatrends ziehen die globale Wasserwirtschaft in entgegengesetzte Richtungen. Während der kommerzielle Wassermarkt robustes Wachstum und technologische Innovationen erlebt, steht die zugrundeliegende Ressourcenbasis vor gravierenden Engpässen, da die regionale Ressourcenknappheit immer akuter, flächendeckender und langanhaltender wird. Das Weltwirtschaftsforum(3) schätzt den weltweiten Bedarf an kumulativen Gesamtinvestitionen in die Wasserinfrastruktur bis zum Jahr 2040 auf 11,4 Billionen Euro – 6,5 Billionen Euro mehr als das derzeitige Investitionsniveau.

Dieser Bedarf ist insbesondere für politisch und gesellschaftlich bedeutende Sektoren von entscheidender Wichtigkeit; dazu zählen Landwirtschaft, Energie, verarbeitendes Gewerbe und Technologie. Allein auf die Landwirtschaft entfallen über 70 Prozent der weltweiten Süßwasserentnahmen.

Gleichzeitig treibt das rasante Wachstum der Technologiebranche die globale Nachfrage nach Wasser in die Höhe. Die Internationale Energieagentur(4) beziffert den aktuellen weltweiten Wasserverbrauch von Rechenzentren auf rund 560 Milliarden Liter pro Jahr – eine Zahl, die sich bis 2030 auf 1,2 Billionen Liter verdoppeln könnte. Wasser bildet zudem die Grundlage für weitere zentrale physische Infrastrukturen, die für Technologie-Ökosysteme unverzichtbar sind – darunter Anlagen zur Stromerzeugung sowie Halbleiterfertigungsstätten.

Marktstrukturen im Wassersektor und die Herausforderungen für die Governance

Trotz ihrer Bedeutung sind Wassermärkte nach wie vor von ungelösten Spannungsfeldern zwischen Zugang, Erschwinglichkeit und Effizienz geprägt. Das Ergebnis sind häufig Fehlpreise und eine ineffiziente Ressourcenallokation, wodurch die Verbindung zwischen Angebot und Nachfrage eingeschränkt oder gänzlich unterbrochen wird.

Viele Regierungen, die sich der zentralen Bedeutung des Wassers bewusst sind, subventionieren den Zugang massiv. Dies führt dazu, dass der Wasserpreis häufig unter den tatsächlichen Vollkosten für Aufbereitung und Verteilung angesetzt wird. Im Nahen Osten und in Nordafrika – Regionen, die zu den wasserärmsten der Welt zählen – liegen die Wasserpreise oft nur bei etwa 35 Prozent der tatsächlichen Kosten.(5) Solche Subventionen erfüllen wichtige gesellschaftliche Zwecke. Sie können jedoch auch Investitionsanreize verzerren, die Ressourcenallokation beeinträchtigen und Probleme wie veraltete Infrastrukturen, Leitungsverluste, Versorgungsunsicherheiten sowie die Anfälligkeit gegenüber Witterungseinflüssen verschleiern.

Streitigkeiten über Wasserpreise greifen häufig auch über nationale Grenzen hinweg. So waren beispielsweise die langjährigen Wasserabkommen mit Malaysia von zentraler Bedeutung für die Entwicklung Singapurs; sie ermöglichten es dem Stadtstaat, Wasser aus dem malaysischen Fluss Johor zu importieren und aufbereitetes Wasser zu subventionierten Preisen zurückzuverkaufen. Während diese Vereinbarung die Versorgung Singapurs sicherte und Einnahmen für Malaysia generierte, führten Meinungsverschiedenheiten über Preisgestaltung, Vertragsverlängerungen und Souveränitätsfragen immer wieder zu Belastungen der bilateralen Beziehungen.

Die Finanzierung von Wasserinfrastruktur ist strukturell anspruchsvoll und äußerst kapitalintensiv, wobei die Amortisationszeiträume sehr lang sind. Großprojekte wie Meerwasserentsalzungsanlagen und Anlagen zur Abwasseraufbereitung erfordern erhebliche anfängliche Investitionen und sind auf Betriebszeiträume von mehreren Jahrzehnten ausgelegt.

Darüber hinaus unterliegt die Finanzierung von Infrastrukturprojekten – bedingt durch das Bestreben nach Preisstabilität – häufig regulierten Tarifen; diese deckeln die Renditen und begrenzen die Möglichkeiten zur Kostendeckung. Im gesamten Nahen Osten haben Fehlanreize durch niedrige Wassertarife und hohe Subventionen zu einigen der weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbräuche an Wasser geführt – und dies, obwohl die jeweiligen Staaten auf kostspielige und energieintensive Infrastrukturen angewiesen sind, um die Nachfrage überhaupt decken zu können. Das finanzielle Risiko lastet dabei häufig auf den öffentlichen Haushalten, während private Investitionen ausbleiben und strukturelle Ineffizienzen fortbestehen.

Herausforderungen im Bereich des Wassermanagements können diese Probleme noch verschärfen. Die Wasserleitungen, die Mexiko-Stadt – eine der weltweit größten Metropolregionen – versorgen, weisen häufig Leckagen auf, durch die mitunter bis zu 35 Prozent des Wassers verloren gehen.(6) In Jordanien(7) – einem Land, das mit chronischer Wasserknappheit und der Übernutzung seiner Grundwasserleiter zu kämpfen hat – geht fast die Hälfte der jährlichen Wassermenge durch Leckagen, Diebstahl und Ineffizienzen verloren.


Abb. 1: Weltweite Wassernutzung nach Sektoren

Die Nachfrage nach Wasser steigt, während das Gesamtangebot wachsenden Zugangsbeschränkungen unterliegt. Weltweit haben noch immer über zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Heute kollidiert wachsender Wasserbedarf von Landwirtschaft, technologischer Wachstumsindustrie und Stromerzeugung mit der mangelnden Verfügbarkeit von Wasser.

Quelle: Goldman Sachs Global Institute, UNESCO: The United Nations World Water Development Report 2026, Water for all people: equal rights and opportunities. Hinweis: Datenstand 2022.


Veraltete rechtliche Vereinbarungen können bestehende Herausforderungen verschärfen. Viele der Wasserrechte in Kalifornien beispielsweise wurden vor mehr als einem Jahrhundert begründet – zu einer Zeit, als die Bevölkerung des Bundesstaates weniger als 10 Prozent ihres heutigen Umfangs ausmachte.

Diese Rechte gewähren ihren Inhabern regelmäßig vorrangigen Zugang, selbst während Dürreperioden; verstärkt wird dies durch sogenannte „Use-it-or-lose-it“-Bestimmungen, die wassersparendes Verhalten bestrafen können. Unter diesem Rahmen haben Landwirte kaum Anreize, von wasserintensiven Anbaukulturen abzurücken.

Der Aufschwung der Rechenzentrenwirtschaft übt zusätzlichen Druck auf die Wasserversorgung aus – in Industrie- wie auch in Entwicklungsländern gleichermaßen. Sowohl die Kühlung von Rechenzentren als auch die Stromerzeugung erfordern erhebliche Wassermengen. In den Vereinigten Staaten befinden sich etwa zwei Drittel der seit 2022 errichteten oder geplanten Rechenzentren in Regionen(8), die unter starkem Wasserstress leiden; dies könnte die Möglichkeiten zur Kühlung und zum Wärmemanagement der KI-Infrastruktur einschränken. Ähnliche Dynamiken könnten sich auch in anderen Regionen entfalten, in denen die KI-Branche wächst – so etwa in den Golfstaaten, deren Regierungen der KI-Infrastruktur Priorität einräumen und heimische Technologieindustrien in einigen der am stärksten von Wasserstress betroffenen Umgebungen der Erde aufbauen.

Unter Druck: Natürliche Reservoire und Wasserstress

Sich wandelnde Wettermuster verschärfen den Wasserstress, indem sie häufig gleichzeitig die Nachfrage steigern, die Versorgungssicherheit verringern und die Wasserqualität beeinträchtigen. Dieser Druck macht sich in allen drei entscheidenden natürlichen Reservoiren des globalen Wassersystems bemerkbar – bei Schneedecken und Gletschern, Oberflächengewässern sowie Grundwasser – und tritt oft am akutesten in jenen Regionen auf, die bereits aufgrund des Zugangs zu Wasser unter politischem und wirtschaftlichem Spannungsdruck stehen.

Weltweit sind etwa zwei Milliarden Menschen(9) für ihre Wasserversorgung auf Gebirgsschneedecken oder Gletscher angewiesen. So beherbergen beispielsweise das Tibetische Hochland sowie die umliegenden Gebirgszüge des Pamir, Hindukusch und Himalaya und die Hengduan-, Tianshan- und Qilian-Gebirge eine Gletscherfläche von insgesamt 100.000 Quadratkilometern, aus der mehr als zehn Flusssysteme entspringen. Wärmeres Wetter führt zunehmend dazu, dass Gletscher schwinden und regionale Niederschläge eher als Regen denn als Schnee fallen, was deren Speicherung für eine künftige Nutzung erschwert. Höhere Temperaturen verschärfen die Nachfrage und beschleunigen die Verdunstung von Oberflächenwasser. Gleichzeitig führen Temperaturanstiege zu einer Verschlechterung der Wasserqualität; Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung sowie höhere Konzentrationen von Schad- und Mikroschadstoffen schränken dabei die nutzbaren Ressourcen ein.

Schließlich nimmt in vielen Teilen der Welt der verlässliche Zugang zu Grundwasser ab. Grundwasserleiter dienen sowohl als primäre Wasserquelle als auch als Puffer für die schwankende, regenabhängige Versorgung und stellen weltweit etwa 60 Prozent des Bewässerungswassers bereit. Satellitendaten(10) deuten jedoch darauf hin, dass die globalen Grundwasserreserven schrumpfen – wobei die Belastung in einigen Regionen, darunter Indien, das kalifornische Central Valley und die Arabische Halbinsel, besonders akut ist.

Da viele Grundwasserleiter grenzüberschreitend verlaufen, verschärft dieser Rückgang zudem die Herausforderungen für die internationale Koordinierung – und in einigen Fällen auch den Wettkampf – um gemeinsam genutzte Wasserressourcen.

Die Geopolitik des Wassers: Knappheit und Staatskunst

Wasserstress verschärft den geopolitischen Wettbewerb. Und da viele Wasserressourcen internationale Grenzen überschreiten, kann die Kontrolle über die Wasserströme zu einem Instrument der Einflussnahme und zu einer Quelle von Spannungen zwischen Staaten werden.

Wasser ist seit langem ein Instrument geopolitischer Macht. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges wurde der Assuan-Staudamm in Ägypten zu einem Symbol des globalen Machtkampfs zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion – mit regionalen Auswirkungen auf die staatliche Machtausübung und die Bevölkerung im gesamten Nilbecken. China errichtet derzeit einen Staudamm am Fluss Yarlung Tsangpo in Tibet, dessen Fertigstellung für das Jahr 2033 geplant ist. Dieses Vorhaben hat bei den flussabwärts gelegenen Anrainerstaaten Besorgnis über mögliche Auswirkungen auf die Wasserzuflüsse nach Indien und Bangladesch ausgelöst.

Machtungleichgewichte verschärfen bestehende grenzüberschreitende Spannungen. Staaten bauen Staudämme nicht nur zur Stromerzeugung, sondern auch, um Druckmittel gegenüber ihren flussabwärts gelegenen Nachbarn zu gewinnen. Der Indus-Wasservertrag von 1960 regelte die Verwaltung und Kontrolle der Wasserressourcen zwischen dem flussaufwärts gelegenen Indien und dem flussabwärts gelegenen Pakistan, wo mehr als 80 Prozent der Landwirtschaft von den Wasserströmen des Indusbeckens abhängen. 65 Jahre nach seinem Abschluss wurde der Indus-Wasservertrag im Jahr 2025 infolge eines Terroranschlags in Kaschmir und des darauf folgenden kurzen militärischen Konflikts zwischen Pakistan und Indien ausgesetzt(11).

Auch Chinas Staudamm am Yarlung Tsangpo hat in Indien – das flussabwärts liegt und für Landwirtschaft, Energieversorgung und Trinkwasser auf den Fluss angewiesen ist – Besorgnis hervorgerufen; man fürchtet dort das Risiko, dass Peking die Wasserversorgung für geopolitische Zwecke instrumentalisieren könnte.

Ähnliche Alarmstimmung herrscht in Ägypten angesichts des „Grand Renaissance Dam“ (Großer Renaissance-Staudamm) Äthiopiens am Nil – einem Fluss, der 90 Prozent der ägyptischen Süßwasserversorgung sichert. Diese Spannungen haben zu einem jahrelangen Streit geführt, der trotz Vermittlungsbemühungen sowohl der Afrikanischen Union als auch der Vereinigten Staaten bis heute ungelöst ist.

Selbst Staaten, die keine gemeinsame Grenze teilen, können aufgrund von Wasserfragen in Konflikt geraten. In Australien befinden sich mittlerweile fast 12 Prozent der Wasserrechte in ausländischem Besitz(12) – größtenteils in der Hand von Investoren aus Kanada, den Vereinigten Staaten, China und dem Vereinigten Königreich. In Zeiten der Wasserknappheit können diese rechtlichen und wirtschaftlichen Eigentumsverhältnisse zu lokalem Widerstand gegen ausländische Eigentümer führen.

Darüber hinaus schafft Wasserknappheit Schwachstellen, die nichtstaatliche Akteure möglicherweise auszunutzen versuchen. Cyberkriminelle haben Netzwerke ins Visier genommen, die physische Wassersysteme steuern; dies hat die Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit bei Wasserversorgern und anderen Anbietern kritischer Infrastrukturen verschärft. Und im Sahel – jener semiariden Region Afrikas südlich der Sahara – haben gewalttätige Gruppen die Kontrolle über die Wasserversorgung als Mittel genutzt, um ihren Einfluss von Nigeria bis in den Sudan zu festigen.

Rivalen können gezielt die Wasserinfrastruktur ihrer Gegenspieler angreifen, um der Zivilbevölkerung Leid zuzufügen und Konkurrenten sowie Widersacher unter Druck zu setzen. Während des Golfkriegs von 1990 bis 1991 zerstörten irakische Streitkräfte den Großteil der Entsalzungskapazitäten Kuwaits – mit unmittelbaren humanitären Folgen. Während des Konflikts mit dem Iran im Jahr 2026 griffen iranische Drohnen Entsalzungsanlagen in Bahrain und im gesamten Golfraum an; dies geschah, während sich die Kampfhandlungen im Nahen Osten auf weitere geographische Gebiete und Ziele ausweiteten und das iranische Regime versuchte, die wirtschaftlichen und diplomatischen Kosten des Konflikts in die Höhe zu treiben.

Schon vor dem Konflikt mit dem Iran hatten die Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrats das Thema Wasser zu einer ihrer obersten wirtschaftlichen Prioritäten erklärt. Widerstandsfähigkeit gegenüber Ineffizienz, Wasserknappheit und unerwarteten Schocks waren die treibenden Faktoren hinter dieser Strategie. Angriffe auf Entsalzungsanlagen und Wassereinrichtungen haben das Thema Wasser nicht nur in der Prioritätenliste nach oben rücken lassen, sondern auch den Zeitplan für den Ausbau und die Absicherung der Versorgungskapazitäten beschleunigt.

In vielen Teilen der Welt hat Wasserknappheit zudem zu Unruhen in der Bevölkerung und zum Zusammenbruch staatlicher Verwaltungsstrukturen geführt oder diese verschärft. Im Jahr 2017 nahm die Wasserknappheit in Kapstadt (Südafrika) derart dramatische Ausmaße an, dass die Stadt kurz davor stand, den „Tag null“ zu erreichen – jenen Punkt, an dem die Trinkwasserversorgung für weite Teile der Bevölkerung hätte eingestellt werden müssen. In den Jahren vor dem „Arabischen Frühling“ erlebte Syrien eine Dürre von historischem Ausmaß, die zur Vertreibung von Bevölkerungsgruppen führte. Wenige Wochen vor Ausbruch der Proteste gegen das iranische Regime Ende 2025 erklärte Präsident Masoud Pezeshkian, die Wasserversorgungslage in Teheran sei derart prekär, dass die Existenzfähigkeit der Stadt als Hauptstadt gefährdet sei.

Obwohl Wasser für alle Menschen unverzichtbar ist, lassen sich die Probleme der Wasserknappheit und der Wasserbewirtschaftung nicht durch universelle Patentlösungen beheben. Völkerrechtliche Abkommen wie das UN-Wassernutzungsübereinkommen(13) formulieren Grundsätze für die Nutzung grenzüberschreitender Gewässer – gerechte Nutzung, Vermeidung erheblicher Schäden sowie Zusammenarbeit auf der Grundlage souveräner Gleichheit –, um Konflikte zu entschärfen, die Planbarkeit zu erhöhen und als Leitlinie für Verhandlungen zu dienen.

Ihre Wirkung ist jedoch begrenzt: Die Einhaltung der Bestimmungen erfolgt auf freiwilliger Basis, die Durchsetzung ist schwach und die Zahl der Vertragsstaaten gering. Weder die Vereinigten Staaten noch China sind Vertragspartei des UN-Gewässerübereinkommens oder der UN-Wasserkonventionen. Die Länder haben sich mit einem Beitritt zurückgehalten – aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Souveränität sowie möglicher Auswirkungen auf die Infrastrukturentwicklung in den Anrainerstaaten. Trotz dieser Herausforderungen werden die Governancereformen fortgesetzt – geprägt durch die erste UN-Wasserkonferenz seit einem halben Jahrhundert im Jahr 2023 sowie die bevorstehende UN-Wasserkonferenz 2026, die gemeinsam von den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Senegal ausgerichtet wird.

Schlussfolgerungen – Die Zukunft der Wasserfinanzierung: Marktreformen und Innovationen

Wasser ist zugleich die lebenswichtigste Ressource der Welt und eine der am schlechtesten verwalteten. Die Kräfte, die die globale Wasserwirtschaft prägen – darunter steigende Nachfrage, sich verändernde Wetterverhältnisse, chronische Unterinvestitionen in oft veraltete und unzureichende Infrastruktur sowie die verzerrenden Auswirkungen von Subventionen und veralteten Rechtsrahmen – stellen eine grenz- und sektorübergreifende Herausforderung dar.

Es gibt jedoch eine wachsende Bandbreite an Möglichkeiten, diese Herausforderungen anzugehen. Marktmechanismen beginnen, Wasser effektiver zu bepreisen, privates Kapital fließt zunehmend in die Wasserinfrastruktur, und technologische Innovationen in Bereichen wie Entsalzung, Abwasserrecycling und intelligentes Wassermanagement ziehen Investitionen an.

Die Bewältigung der globalen Wasserherausforderung erfordert koordiniertes Handeln von Regierungen und privaten Märkten. Die Schließung der Investitionslücke bedeutet einen höheren Kapitaleinsatz, aber auch Reformen der Governance, unter anderem in Bezug auf Preisgestaltung, Transparenz und Rahmenbedingungen für Wasserrechte, die es ermöglichen, dass das Angebot für die wertvollsten Verwendungszwecke genutzt wird.

Geopolitische Zusammenarbeit wird von entscheidender Bedeutung sein, da grenzüberschreitende Wasserstreitigkeiten und Schwachstellen in der Infrastruktur zunehmend mit der nationalen Sicherheit verflochten sind. Die Entscheidungen, die im kommenden Jahrzehnt darüber getroffen werden, wie Wasser bewertet, finanziert und verwaltet wird, dürften Marktchancen vorantreiben und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, die soziale Stabilität sowie die ökologische Nachhaltigkeit prägen.


(1) Wondimu Musie and Girma Gonfa, “Fresh Water Resource, Scarcity, Water Salinity Challenges and Possible Remedies: A Review,” Heliyon 9, no. 8 (August 2023): e18685, https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2023.e18685.

(2) UNICEF Data, “Drinking Water,” last updated August 2025, accessed May 5, 2026, https://data.unicef.org/topic/water-and-sanitation/drinking-water/.

(3) World Economic Forum, Bridging the €6.5 Trillion Water Infrastructure Gap: A Playbook, in collaboration with Acea and the University of Cambridge (Cologny/Geneva: World Economic Forum, December 2025), accessed May 5, 2026, https://reports.weforum.org/docs/WEF_Bridging_the_6.5_Trillion_Water _Infrastructure_Gap_A_Playbook_2025.pdf.

(4) Yoon Young Chung, Federico Darakdjian, and Tom Leahy, “When AI Meets Water Scarcity: Data Centers in a Thirsty World,” MSCI, December 9, 2025, https://www.msci.com/research-and-insights/blog-post/when-ai-meets-water-scarcity-data-centers-in-a-thirsty-world.

(5) Omer Karasapan, “Striving for Water and Food Security,” The Cairo Review of Global Affairs, Winter 2020, https://www.thecairoreview.com/essays/striving-for-water-and-food-security/.

(6) James Wagner, Emiliano Rodríguez Mega, and Somini Sengupta, “Mexico City Has Long Thirsted for Water. The Crisis Is Worsening,” New York Times, May 18, 2024, https://www.nytimes.com/2024/05/18/world/americas/mexico-city-water.html.

(7) International Trade Administration, “Jordan—Environment and Water Sector,” Jordan Country Commercial Guide, last published February 26, 2026, https://www.trade.gov/country-commercial-guides/jordan-environment-and-water-sector.

(8) Edward Ring, “Water, Water Everywhere—Except in California’s Reservoirs,” Wall Street Journal, April 17, 2026, archived at Archive Today, accessed May 5, 2026, https://archive.is/xPwsj.

(9) UN-Water, “UN World Water Development Report 2025,” March 21, 2025, https://www.unwater.org/publications/un-world-water-development-report-2025.

(10) NASA/JPL-Caltech, “Map of Groundwater Storage Trends for Earth’s 37 Largest Aquifers,” GRACE-FO, accessed May 5, 2026, https://gracefo.jpl.nasa.gov/resources/48/map-of-groundwater-storage-trends-for-earths-37-largest-aquifers/.

(11) Sarita Chaganti Singh, Shivam Patel, and Ariba Shahid, “India-Pakistan Water Treaty Remains Suspended despite Ceasefire, Sources Say,” Reuters, May 10, 2025, https://www.reuters.com/world/asia-pacific/india-pakistan-water-treaty-remains-suspended-despite-ceasefire-sources-say-2025-05-10/.

(12) Australian Taxation Office, Register of Foreign Ownership of Water Entitlements: Report of Registrations as at 30 June 2023 (Canberra: Australian Government, 2024), accessed May 5, 2026, https://foreigninvestment.gov.au/sites/foreigninvestment.gov.au/files/2024-10/2023-rfo-water-entitlements.pdf.

(13) Convention on the Law of the Non-Navigational Uses of International Watercourses, opened for signature May 21, 1997, 2999 U.N.T.S. 77, entered into force August 17, 2014, United Nations Treaty Collection, accessed May 5, 2026, https://treaties.un.org/Pages/ViewDetails.aspx?src=TREATY&mtdsg_no=XXVII-12&chapter=27&clang=_en.


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Quelle: Der Beitrag ist die gekürzte Version eines Artikels, der am 14. Mai 2026 unter dem Titel „Securing and Financing the Future of Water“ auf www.goldmansachs.com im Bereich Insights/Articles veröffentlicht wurde. Bitte beachten Sie, dass die darin getroffenen Aussagen keine Anlageempfehlungen darstellen.


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