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INTERVIEW„Europa hat einen Vorsprung bei der Entwicklung von KI-Anwendungen“

Hyperscale-Technologieunternehmen in den USA haben mit dem Thema künstliche Intelligenz (KI) viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Allerdings könnten europäische Unternehmen einen Vorsprung haben, wenn es um die Entwicklung von KI-Anwendungen geht.

„Europäische Unternehmen stehen an der Spitze der Entwicklung von Anwendungen, die auf großen Sprachmodellen (LLMs) basieren und das Wachstum des Sektors vorantreiben“, sagt Clif Marriott, Co-Leiter der Technology, Media and Telecommunications Group in EMEA bei Goldman Sachs Global Banking & Markets.

„Europa schlägt zurück“, sagt Marriott. „Man könnte sagen, dass europäische Technologieunternehmen bei der Entwicklung von Unternehmen im Bereich der KI-Anwendungsschicht* führend sind.“

Dies war eine der wichtigsten Erkenntnisse des 11. Disruptive Technology Symposium, das Anfang März 2026 in London mehr als 1.300 Investoren und 72 Start-ups zusammenbrachte. Die Stimmung war optimistisch, insbesondere bei den Gründern und Investoren in der Frühphase.

Die Zahl der europäischen „Einhörner“ – Start-ups mit einem Wert von mindestens einer Milliarde US-Dollar – hat sich laut Daten von Atomico, einer in London ansässigen Risikokapitalgesellschaft, seit 2016 auf 413 mehr als verdreifacht. Und im Jahr 2025 sowie Anfang 2026 kamen fast drei Dutzend neue „Einhörner“ hinzu.

Warum Softwareunternehmen von KI profitieren werden

Die Teilnehmer des Symposiums konzentrierten sich auch auf die Auswirkungen von KI auf das Geschäftsmodell der Softwarebranche – eine Herausforderung, die auf dem öffentlichen Markt für Unruhe gesorgt hat. Dennoch schwirrte die Luft vor neuen Ideen, wie sich die Branche anpassen wird, sagt Joe Porter, globaler Co-Leiter des Software-Investmentbankings in der Technology, Media and Telecom Group bei Goldman Sachs Global Banking & Markets.

„Trotz der Schlagzeilen verfügen die CEOs etablierter Softwareunternehmen über das Vertrauen ihrer Kunden, über Vertriebs- und Implementierungskapazitäten sowie über langjährige Kundenbeziehungen, die ihnen helfen werden, mit neuen, KI-gesteuerten Features und Funktionen Geld zu verdienen“, sagt Porter. „Es gibt viele Unternehmensleiter, die dies als enorme Chance und nicht nur als Bedrohung betrachten.“

Im Interview sprachen Marriott und Porter über Europas Vorstoß im Bereich KI, die Auswirkungen von KI-Agenten* und den Aufstieg des aufstrebenden europäischen Verteidigungstechnologiesektors, auch DefTech genannt.

Wie sehen angesichts der Herausforderungen durch KI die Aussichten für die Softwarebranche aus?

Joe Porter: Erstens wirkt Technologie im Allgemeinen deflationär, und die KI erweist sich in Bezug auf die Codeerstellung und Softwareentwicklung in höchstem Maße als genau das. Die Kosten für die Codeentwicklung sinken, während sich gleichzeitig die Entwicklungsgeschwindigkeit beschleunigt. Wenn diese Marktkräfte auf der Softwareebene wirken, wird es zu einem verstärkten Wettbewerb kommen.

Es gibt einige Konfliktlinien, die ich hervorheben möchte. Erstens: Was ist der Wert der Codeerstellung an sich? Nur weil Codezeilen erstellt werden können, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es sich um ein funktionsfähiges Produkt handelt, das speziell für IT-Umgebungen in Unternehmen entwickelt wurde. Es bedeutet nicht, dass wir wissen, was wir anweisen oder modellieren müssen oder welche Softwarefunktionen erforderlich sind, um verschiedene Datensätze und andere Systeme einzubinden. Und es bedeutet ganz sicher nicht, dass ein Softwarekunde dies in jedem Fall kaufen würde.

Die zweite Streitfrage ist die Preisgestaltung von Software. Was bezahlen die Menschen für den Wert von agentenbasierter oder ergebnisorientierter Software? Dies ist die zentrale Debatte in einer Welt, in der es KI und KI-gesteuerte Software gibt. Und es stellt sich die Frage, wer diesen Wert für sich gewinnen wird: neue Wettbewerber, die heute vielleicht einen technischen KI-Vorteil haben, oder etablierte Cloud-Softwareanbieter, die über Kundenbeziehungen und große Vertriebskapazitäten verfügen? Welchen Wert haben Softwarevertrieb und Kundenbeziehungen heute? Ich nenne das Kundenvertrauen. Wie viel ist dieses in einer KI-Welt im Vergleich zum Code und zur Produktentwicklung selbst wert?

Das klingt nach grundlegenden Fragen.

Joe Porter: Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Grundlagen und die Wirtschaftlichkeit von Software derzeit hinterfragt oder auf den Kopf gestellt werden.

Welchen Vorteil hat die europäische Tech-Community im Bereich der KI?

Clif Marriott: Wenn man die letzten zehn bis 20 Jahre betrachtet, hat Europa dort geglänzt, wo es glänzen musste. Nehmen wir Fintech. Um in Europa zu skalieren, musste man sich mit verschiedenen Währungen, Vorschriften und Grenzen auseinandersetzen. In den USA kann man im Grunde ein Produkt entwickeln, das relativ nahtlos funktioniert, aber es ist möglicherweise nicht so anpassungsfähig, wenn es um die globale Expansion geht. Europa hat sich im Bereich Fintech wirklich gut geschlagen.

Mit Blick auf die Zukunft sehen wir die größte Aktivität und den größten Fokus auf der Entwicklung von KI-Anwendungen, also der Anwendungsschicht, für Unternehmen. Obwohl einige großartige Unternehmen im Wettbewerb stehen, ist noch nicht klar, ob Europa einen Gewinner im Bereich der großen Sprachmodelle (LLM) hervorbringen wird.

In der KI-Anwendungsschicht gibt es eine Reihe von Unternehmen an verschiedenen Orten auf dem Kontinent, die gut abschneiden und skalieren. Sie finden großen Anklang bei den Kunden und beginnen, Kapital zu attraktiven Bewertungen zu beschaffen. Es ist fraglich, ob sie ihren Erfolg aufrechterhalten können, ob sie ausreichend skalieren werden, um als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorzugehen, und wie die LLMs reagieren werden. Werden sie vertikal expandieren?

KI-Agenten sind in diesem Jahr zu einem großen Thema geworden. Wie disruptiv werden sie für Unternehmen sein?

Joe Porter: Wenn Software heute Menschen effizienter macht oder dabei hilft, ein gewisses Maß an Automatisierung zu erreichen, dann wird agentische KI Anwendungen weiterentwickeln, Aufgaben erledigen und Ergebnisse liefern. Auf dem Symposium leitete ich eine Podiumsdiskussion mit Führungskräften aus unterschiedlichen Bereichen – wir hatten einen Entwickler, einen Vertriebs- und Marketingleiter sowie einen Vertreter eines Unternehmens, das sich auf die Erstellung von Dokumenten oder, wie ich es nenne, Wissensarbeit spezialisiert hat.

Der Programmierer glaubt, dass es in Zukunft genauso viele Ingenieure geben wird wie heute. Sie werden mit KI-Agenten zusammenarbeiten und sich auf übergeordnete IT-Strategien und Entwicklungsprobleme konzentrieren. Der Vertriebsmitarbeiter war weniger zuversichtlich, dass es genauso viele Vertriebsmitarbeiter geben wird, da viele der Aufgaben in Zukunft automatisiert werden.

Für mich war interessant, dass alle sagten, es werde immer einen Menschen im Kreislauf geben, es werde nicht nur Agenten geben. Die Debatte dreht sich darum, wo die Arbeit der Agenten aufhört und die der Menschen anfängt. Das wird zu einem Punkt führen, an dem wir alle einfach viel effizienter sein werden, weil wir tatsächliche Software haben werden, die die Aufgabe erledigt, anstatt sie selbst erledigen zu müssen.

Clif Marriott: Um auf Joes Punkt einzugehen: Man kann beobachten, dass die Mitarbeiter in Unternehmen mit der Zeit produktiver werden. Ich könnte mir ein Szenario vorstellen, in dem wir am einen Ende riesige Konzerne und am anderen Ende Ein-Personen-Unternehmen haben, die ebenfalls expandieren können, aber nur aus einer Person und ihren Agenten bestehen, die deren Software und deren Geschäft entwickeln.

Vielleicht vereinfache ich das hier etwas zu sehr, aber man kann sich ein solches Szenario der Unternehmensgründung und -entwicklung gut vorstellen.

Was treibt das Wachstum europäischer Start-ups im Bereich Verteidigungstechnologie an?

Clif Marriott: Es geht um das Thema, dass Europa seine Verteidigungsbasis in den letzten 30 Jahren nicht ausreichend ausgebaut hat. Kriegsführung oder Verteidigung basieren heute eher auf neuen Technologien und Drohnensystemen als auf schwerer Artillerie oder Panzern usw. Und es geht nicht nur um Luftdrohnen. Das gilt auch für den maritimen Bereich. Wir hatten sieben Verteidigungsunternehmen auf der Konferenz, und in diesem Bereich herrscht reger Betrieb, da viele Unternehmen expandieren. Regierungen und Verteidigungsministerien rüsten auf und bereiten sich auf eine neue Welt vor, in der sie mehr Fähigkeiten am Boden benötigen.

Werden angesichts dieser Trends europäische Börsengänge und andere Arten von Exits zunehmen?

Clif Marriott: Viele Leute richten ihre Aufmerksamkeit gerne auf Börsengänge als Ausstiegsmöglichkeit, aber in Wirklichkeit steigen die meisten Unternehmen durch Fusionen und Übernahmen aus, und ich denke, dass M&A kurz- bis mittelfristig recht aktiv sein wird.

Interessant ist, wie viel Zeit wir für private Unternehmen aufbringen, die sich dafür entscheiden, länger privat zu bleiben. Das liegt nicht daran, dass sie nicht an die Börse gehen könnten, sondern vielmehr daran, dass sie viele ihrer Ziele als private Unternehmen erreichen können. Wir betreiben auch viel private Kapitalbeschaffung für Unternehmen, die in KI investieren wollen.

Joe Porter: Ich denke, wir werden weiterhin erleben, dass große strategische Softwareunternehmen New-Age-KI-Technologie durch Übernahmen erwerben. Sie sind auf der Jagd. Im Gegensatz zu einem wirtschaftlichen Schock oder einem makroökonomischen Ereignis, das möglicherweise nur vorübergehend ist, handelt es sich bei diesem technologischen Wandel um einen evolutionären Prozess. Stillstand ist keine strategische Option – weder für große Unternehmen noch für kleine Unternehmen oder alle Größenordnungen dazwischen.


* Siehe dazu auf www.gs.de die Artikel „KI im Jahr 2026: Von persönlichen Agenten, Mega-Allianzen und der Gigawatt-Obergrenze“ sowie „,Noch keine Blase‘ – Eine Diskussion über künstliche Intelligenz“ im Bereich „Alle Artikel anzeigen“


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Quelle: Der Beitrag wurde am 17. März 2026 unter dem Titel „Europe Has an Edge in Developing Applications for AI“ auf www.goldmansachs.com im Bereich Insights/Articles veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass die darin getroffenen Aussagen keine Anlageempfehlungen darstellen.


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