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Interview„Das Basiswissen hat sich deutlich verbessert“

Christian Schlegel ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit 35 Jahren ist der ehemalige Börsenmakler an den Aktien- und Terminmärkten aktiv. Mit KnowHow sprach der 57-Jährige über den Tagesablauf eines Traders und über seine Erfahrungen als Börsencoach.


Christian Schlegel, Trader

Christian Schlegel (Jahrgang 1965) betreibt den professionellen Börsenhandel seit 35 Jahren. Schon frühzeitig publizierte der ehemalige Börsenmakler mit Schwerpunkt Derivate eine wöchentliche, rein technische Analyse, die an Banken und Investmentgesellschaften gesendet wurde. Er hält Webinare und publiziert regelmäßig Videos zu technischen Analysen.


Christian Schlegel ist nicht mit Goldman Sachs verbunden, und dieses Interview dient nur zu Informationszwecken und ist keine Empfehlung oder Billigung. Die Ansichten von Christian Schlegel spiegeln nicht die Ansichten von Goldman Sachs wider.

Herr Schlegel, Sie sind nicht nur Trader, sondern auch Börsencoach. Wie groß ist das Interesse am Thema Finanzmärkte aktuell?

Christian Schlegel: Seit dem Corona-Tief ist das Interesse deutlich gestiegen und lässt meines Erachtens auch momentan noch nicht nach. Das Allgemeinwissen über Aktien und Derivate hat deutlich zugenommen, und ich sehe noch keinen Abbruch.

Zuletzt kam es vor allem bei Technologieaktien zu hohen Verlusten, beispielsweise verlor der Nasdaq-100 seit dem Hoch im November 2021 rund ein Viertel seines Werts. Führen solche Entwicklungen zu weniger Interesse an Börsenthemen?

Christian Schlegel: Das kann ich nicht bestätigen. Mittlerweile verstehen sehr viele Anleger auch, insbesondere die Jüngeren, wie sie durch Verkaufsoptionen von fallenden Märkten profitieren können. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Einhalten von Stopps, wenn es einmal schiefgeht, diszipliniert betrieben wird.

Worauf sollten vor allem Börseneinsteiger achten?

Christian Schlegel: Handle nur Produkte, die du verstehst; setze nur so viel Geld ein, dass ein Verlust dich nicht in Schwierigkeiten bringt; bilde dich weiter; setze Stopps bei Verlusten; Geduld, Geduld, Geduld.


Christian Schlegel, Trader


Welches sind die häufigsten Fehler, die Anfänger (und auch Fortgeschrittene) beim Thema Geldanlage machen?

Christian Schlegel: Da ich mehr in Hebelprodukten agiere, stelle ich immer wieder fest, dass zum einen die Positionen zu groß sein können, und zum zweiten, dass bei Knock-out-Produkten eine Überhebelung stattfinden könnte. Anleger können mit dem Produkt zu nahe an den aktuellen Kurs gehen. Wo eine kleine Nachricht den Markt stark bewegen kann, kann das zu Verlusten führen.

Sie arbeiten bereits seit einigen Jahren als Trader. Wie sieht Ihr Tagesablauf für gewöhnlich aus?

Christian Schlegel: Meistens stehe ich gegen fünf Uhr auf. Das ist meine „Qualitytime“, in der kein Telefon geht, kein Hund raus will und die Schulen noch geschlossen sind. Zu dieser Zeit kann ich mir in Ruhe die Nachrichten der Nacht anschauen und einen Blick auf die asiatischen Börsen werfen. Dann habe ich eine börsenabstinente Zeit bis neun Uhr. Denn ich handele nur zu den offiziellen Xetra-Zeiten. Ich habe es mir abgewöhnt, den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu sitzen, denn zu viel Nähe zum täglichen Marktgeschehen behindert. Also habe ich auch während des Tages Zeit für andere Dinge. Meistens schließe ich zum Xetra-Schluss gegen 17:30 den Handel ab, schaue aber, ganz klar, mit einem Auge auf die amerikanischen Börsen.

Wie muss man sich Ihr Büro vorstellen, mehrere flimmernde Bildschirme, wo permanent neue Signale eintreffen?

Christian Schlegel: Das war früher so, möglichst viele Schirme. Heute sind es zwei. Da mein Handelsstil nicht auf Daytrading ausgelegt ist, muss ich nicht dauernd davorsitzen. Es reichen mir zwei Schirme, da ich ja die Signale und Alarme auch über mein Handy bekomme. Und manchmal kommen gar keine Signale, also muss ich auch nicht vor dem Bildschirm sitzen.

Nach welchen Kriterien bilden Sie sich Ihre Marktmeinung

Christian Schlegel: Zu etwa einem Viertel schaue ich auf fundamentale Daten, beispielsweise auf Umsatz- und Gewinnprognosen, Analysteneinschätzungen. Überwiegend konzentriere ich mich aber auf die technische Analyse. Ich versuche, Muster zu erkennen, die für mich einen Sinn ergeben, und platziere mit einem Kauf auch automatisch eine Stop-Loss-Marke – also ein Niveau, bei dessen Erreichen ich die Position wieder verkaufen würde.

Welches sind die wichtigsten Signale, die Sie bei der technischen Analyse zugrundelegen?

Christian Schlegel: Die Trenderkennung ist für mich das Allerwichtigste. Das funktioniert in jedem Bereich, auch bei kleineren Werten. Darüber hinaus nutze ich Trendfolgemodelle, wie die Bollinger-Bänder* oder den MACD*-Indikator, die sowohl für kurzfristige Kursbewegungen als auch für eine Trendprognose aufschlussreich sein können. Für das Timing jedoch benutze ich einen Oszillator, der innerhalb einer bestimmten Bandbreite beobachtet, ob sich aus dem Kurvenverlauf passende Einstiegs- oder Ausstiegssignale herauslesen lassen.

Sie analysieren täglich die Aktienmärkte. Wo werden die bedeutenden Indizes Ihrer Ansicht nach mittelfristig hinsteuern?

Christian Schlegel: Bis Ende dieses Jahres erwarte ich für den DAX® eine breit gefasste Trading Range zwischen 13.000 und 16.000. Erst mit dem Offenlegen der Quartalszahlen ab Juli wissen wir mehr darüber, wie der Einfluss der jüngsten geopolitischen Konflikte zu Buche schlagen wird. Allerdings erwarte ich auf keinen Fall positive Impulse.

Sie handeln vor allem mit Knock-out-Produkten. Wie gehen Sie bei der Auswahl vor?

Christian Schlegel: Wenn ich über die Trendfolge und meine Indikatoren einen Einstiegspunkt gefunden habe, suche ich mir auch den Stopp-Bereich aus. Je nachdem, ob sich der Wert noch im Vorfeld eines Einstiegsimpulses befindet, ist die Knock-out-Barriere weiter weg. Aber wenn der Impuls bereits gestartet ist, gehe ich näher heran, mit höherem Hebel.

Was ist Ihnen wichtiger: Enge Spreads und niedrige Aufgelder oder guter Service und ein kontinuierlicher Handel?

Christian Schlegel: Wenn der Spread enger ist, freut mich das natürlich, und insbesondere auch, wenn die Aufgelder nicht zu hoch sind. Am wichtigsten ist aber für mich, dass der Emittent den Spread möglichst lange handelbar lässt. Wenn z.B. die Knock-out-Barriere eines Scheins auf den DAX® nur noch 25 Punkte entfernt ist, machen einige Emittenten den Spread sehr weit, sodass man gar nicht mehr handeln kann. Gute Emittenten erhalten auch in solchen Situationen den Handel aufrecht.

Wie sollten Privatanleger bei der Produktauswahl vorgehen?

Christian Schlegel: Privatanleger können sich überhebeln, gehen zu nah an den aktuellen Preis der Aktie heran. Meiner Meinung nach soll Ziel nicht sein, jeden Schein gleich zu verdoppeln, sondern das Ziel sollte sein, Qualitätstrades zu machen. Will sagen: mit weniger Hebel und auch mal mit einem kleineren Gewinn dabei zu sein, statt alles auf einen Trade zu setzen.

Herr Schlegel, vielen Dank für das Interview.

* Bollinger-Bänder, MACD-Indikator: Methoden der Chartanalyse, die sich an gleitenden Durchschnittswerten orientieren.


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